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Gemeindechronik

Nesselwängle, 1434 urkundlich erstmals Nesselwänglin , später Klein Nesselwang - zum Unterschied von Nesselwang bei Wertach (einer Rodung der Pfrontener) - genannt, war früher ein ausgesprochenes Haufendorf, ist aber nach dem 2. Großbrand (1882) ein Straßendorf geworden. Der Name bedeutete: "ebene, mit Brennesseln bewachsene Fläche."

Nesselwängle liegt am Fuße der Roten Flüh auf den Schutthalden des Gallen-, Stadel- oder Tiefenbaches und des Gröbenbaches. Es war mehrmals im Jahre 1814, am 15. Juli 1834, und den 23. und 24. August 1846 nahe daran, vollständig vermurt zu werden.

Westlich des Dorfes - im Weiler Schmitte verläuft die Wasserscheide des Tannheimer Tales. Zum Gemeindegebiet gehören die beiden westlich gelegenen Weiler Schmitte und Haller am Haldensee und die Fraktion Rauth im Süden. Der Weiler Gaicht (richtig Gacht!) gehört politisch zur Gemeinde Weißenbach und nur kirchlich seit 1785 zu Nesselwängle.

Die Besiedlung erfolgte im 14. Jahrhundert durch Menschen aus Aschau (heute Lechaschau - bei Reutte), welche österreichische Untertanen waren. Der Sage nach führte die älteste und erste Verbindung mit dem Talkessel von Reutte über einen schmalen und steilen Saumpfad von Nesselwängle zur Schneetalalpe und von dort zur Aschauer Alpe nach Aschau. Das erste Haus entstand im Ortsteil Geting, am Rande der ursprünglichen Weide (es gab 3 Weideplätze im Tal: Nesselwängle, Grän, Tannheim).

Haller am Haldensee wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts von einer Familie Hans Haller aus Reutte gegründet. Hinweise auf den damaligen Gründer sind heute noch auf der Nord-Fassade des heutigen Hotel Alpenhof am See zu erkennen.

Das übrige Tannheimer Tal wurde von Pfronten aus besiedelt.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts machte das Hochstift Augsburg den Habsburgern Nesselwängle streitig, aber 1452 erklärten die Bauern von Nesselwängle vor Gericht, daß sie stets freie österreichische Untertanen gewesen wären und nur im Appenzellerkrieg 1405 genötigt worden seien, sich dem Hochstift Augsburg zu unterwerfen, 1453 fiel Nesselwängle endgültig an Tirol.

Die Nesselwängler Gemeindeordnung stammt aus dem Jahre 1560.

1861 fuhr erstmals die Post mit je einem Pferd ins Tannheimer Tal und ins Lechtal, es konnten 2 Personen mitfahren.

Am 10. Oktober 1863 war der erste große Brand. 42 Häuser wurden zum Raub der Flammen. Der Grund des Feuers war die Unachtsamkeit - ein vergessenes „Bügeleisen".

1882 fallen die Kirche und 14 weitere Häuser den Flammen eines Großbrandes zum Opfer. Die Nachforschungen ergaben Brandlegung als die Ursache des Feuers. Die Brandstifterin wurde zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, jedoch nach 11 Jahren begnadigt.

Im Jahre 1892 erwarb der Alpenverein die von Notar Dr. Schwaighofer aus Nesselwängle erbaute "Tannheimer Hütte"östlich der Roten Flüh. In der Folge wurde diese großzügig ausgebaut.

Durch die geringen landwirtschaftlichen Erträge benötigten die Einwohner von Nesselwängle einen zusätzlichen Verdienst, um die Existenz ihrer oft kinderreichen Familien zu sichern. Die betrieben anfänglich die Salzrodfuhren, die von Hall in Tirol über den Gachtpaß ins benachtbarte Allgäu führten. In Nesselwängle befand sich ein dreistöckiger Salz stadel und eine Salzfaktorei. Heute steht an seiner Stelle die Volksschule. Durch den Bau der Arlbergstraße 1782 - 1785 wuden diese Salzfuhren vom Tal abgelenkt. So trat das Wanderwesen der tannheimertaler Maurer, Stukkateure, Tischler, Handlanger usw. allmählich auf. Nicht zu vergessen seien auch die „Schwabenkinder", die übe den Sommer im Schwabenland al Hüterbunben und unter schwerer Arbeit verdienen gegangen sind. Im Herbst kamen sie nach Hause und halfen daheim mit ihrem Geld den Eltern für einige Zeit wieder über die Runden. Zum Andenken an diese Zeit, die Zeit der Marmoristen, wurden 1952 unter Pfarrer Blasius Stöckl, in der Kirche von Nesselwängle die drei Altäre, nach den Plänen des Ing. Hubert Kittinger aus Innsbruck, von „nesselwängler Künstlern" ausgeführt.

Kirchlich gehörte Nesselwängle wie alle Orte des Tales zur Talpfarre Tannheim, wurde 1504 Kaplanei, 1794 Lokalkaplanei und 1891 Pfarre. Ein Kirchlein stand schon im 15. Jahrhundert „auf der Lähn" (heute in etwa Seilbahn-Talstation-Gimpel Haus) und wurde 1720 von einer Lawine fortgerissen. Das Geläut sei bis südlich des heutigen Widums mitgerissen worden. 1722 erbaute man die zweite, eine einschiffige, tonnengewölbte Kirche, die 1732 zu „Unserer Lieben Frau Maria Himmelfahrt" eingeweiht wurde. Diese brannte 1882 ab und wurde 1885 wiederhergestellt. Eine Renovierung erfolgte 1952/53. Die Fresken des Presbyterium wurden vom Außerferner Kirchenmaler Johann Kärle bemalt. Die neubarocken Altäre wurden nach Plänen von Ing. Kittinger erbaut. Die Kreuzwegreliefs und Holzschnitzereien stammen von Bernhart Stufflesser, entstanden Ende 19. Jahrhundert. Die letzte Renovierung erfolgte

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